Chronik des Maingau – Vom Anfang bis zur Auflösung

Schützengau Maingau im Hessischen Schützenverband e.V.
1965 – 2017

Zum Zeitpunkt der Gründung des Hessischen Schützenverbandes im Jahr 1951 war das Verbandsgebiet in 51 Sportkreise aufgeteilt. Von ursprünglich 2.700 Mitgliedern aus seinerzeit 52 Schützenvereinen war der Mitgliederstand bis zum Jahr 1961 auf rund 30.000 Mitglieder in über 800 Vereinen angewachsen. In das Jahr 1965 fällt dann die Geburtsstunde der Gaubezirke: In der durch den 15. Landesschützentag am 14. März 1965 in Wetzlar beschlossenen Satzung wurde festgelegt, dass „zwecks besserer sportlicher Durchdringung des Verbandsgebiets jeweils mehrere Schützenkreise zu Gaubezirken zusammengefasst“ werden. Für die Einteilung der ursprünglich neun, später zehn Gaue boten sich die jeweils zusammenliegenden politischen Kreise an. Für den Maingau bedeutete dies die Zusammenfassung der Kreise Hanau, Offenbach, Frankfurt, Main-Taunus, Bad Homburg und Usingen. In der Folge der Gebietsreform im Jahr 1977 wurde Hanau 1979 dem neu gegründeten Gaubezirk Kinzig-Wetterau zugeordnet, die
Schützenkreise Bad Homburg (später umbenannt in Obertaunus und im Jahr 2000 in Hochtaunus) und Usingen blieben jedoch trotz der Zusammenlegung der politischen Kreise zum Hochtaunuskreis als selbstständige Schützenkreise erhalten. Im Zusammenhang
mit der Verabschiedung einer neuen Satzung anlässlich des 52. Hessischen Schützentages in Mörfelden-Walldorf am 13. April 2003 wurde schließlich die Bezeichnung „Gaubezirk“ durch „Schützengau“ ersetzt. Zum 1. Januar 2017 gehörten dem Hessischen Schützenverband 98.359 Mitglieder in 1.080 Vereinen an (1999: 127.056 Mitglieder in 1.144 Vereinen); im Maingau waren zum 1. Januar 2017 10.654 Mitglieder in 112 Vereinen zusammengeschlossen.

Die eigene Geschichte des Maingaus begann im Jahr 1965 mit der Wahl des ersten Gauschützenmeisters. Nach der damals gültigen Satzung des Hessischen Schützenverbandes war „einer der Kreisschützenmeister des Gaubezirks zum Gauschützenmeister“ zu wählen. Aus der konstituierenden Sitzung ist überliefert, dass zunächst keiner der sechs Kreisschützenmeister dazu bereit war, Gauschützenmeister zu werden. Kurzerhand wurde der damals junge Offenbacher Kreisschützenmeister Karlo Becker von den altgedienten Schützenbrüdern in das neue Amt berufen und somit mit der Ausrichtung der ersten Gaumeisterschaft betraut. Auf den Schießständen in Klein-Auheim nahmen seinerzeit 127 Schützinnen und Schützen mit dem Luftgewehr teil und 53 mit der Luftpistole. Aus diesen kleinen Anfängen heraus wurde im Laufe der Jahre eine über mehrere Wochenenden dauernde sportliche Großveranstaltung mit bis zu 3.000 Einzelstartern und einer Vielzahl von ehrenamtlichen Helfern.

Von 1966 bis 1972 regierte der damalige Frankfurter Kreisschützenmeister Erich Zeuner den Maingau. Bei der Gauversammlung 1972 in Bergen-Enkheim wurde dann dem seinerzeitigen Kreisschützenmeister des Kreises Bad Homburg, Rolf Nickel, das Amt übertragen, der es bis 1980 ausübte. Durch eine Satzungsänderung war zwischenzeitlich die Festlegung, dass einer der Kreisschützenmeister zum Gauschützenmeister zu wählen sei, aufgehoben worden, so dass am 1. Juli 1980 in Frankfurt-Unterliederbach der seit 1973 als Gausportleiter fungierende Ottmar Gerstemann zum neuen Gauschützenmeister gewählt wurde. Sein Stellvertreter wurde Hubert Ebling, Kreisschützenmeister des Kreises Usingen, an dessen Stelle im Jahr 1987 der Kreisschützenmeister des Main-Taunus-Kreises, Herbert Gebert, trat. Seit 1996 hat die amtierende Kreisschützenmeisterin
des Schützenkreises Usingen, Gudrun Daume, das Amt der stv. Gauschützenmeisterin inne. Fast zwei Jahrzehnte leitete Ottmar Gerstemann den Maingau und in seine Amtszeit fiel auch das 25-jährige Jubiläum des nunmehr etablierten Gaubezirks 8, das am 21. April 1990 im Schützenhaus des SSV Köppern gefeiert wurde. Nach sieben Amtsperioden entschied sich der mittlerweile zum dienstältesten Gauschützenmeister im Hessischen Schützenverband avisierte Ottmar Gerstemann anlässlich des Gauschützentages am 10. September 1999 in Bad Homburg nicht wieder für den Gauvorsitz zu kandidieren. In Würdigung seines langjährigen, erfolgreichen Einsatzes für den Schießsport im Maingau wurde Ottmar Gerstemann von den Delegierten zum Ehren-Gauschützenmeister ernannt. Zu seinem Nachfolger wurde Dr. Thomas Eberwein gewählt, der seit 1996 als Breitensportreferent dem erweiterten Gauvorstand angehört hatte.

Das Hauptbetätigungsfeld der Gaue lag von Beginn an in der Durchführung der schießsportlichen Veranstaltungen auf der Ebene zwischen Kreisen und Landesverband und damit verbunden war die umfangreiche Tätigkeit der Gausportleiter. Insbesondere die Vorbereitung und Durchführung der Gaumeisterschaften erforderten einen erheblichem zeitlichem Aufwand. Zuletzt waren der Gausportleiter Dr. Alexander Degen und sein Stellvertreter Bernhard Tems die Garanten für die ordnungsgemäße Durchführung der Wettbewerbe, ebenso wie deren Vorgänger Gausportleiter Alfredo Donati mit seinem Stellvertreter Otmar Martin und in früheren Jahren Wolfgang Michel, Ottmar Gerstemann oder Hans-Dieter Claas.

Neben den Gaumeisterschaften waren es die ganzjährig laufenden Ligawettkämpfe, die die Sportschützen auf Gauebene beschäftigten. Im Nachwuchsbereich sind die zahlreichen Jugendveranstaltungen, die als Qualifikationswettbewerbe zum Landesentscheid durchgeführt werden, zu nennen. Die vielfältigen Aufgaben des Gaujugendleiters wurden seit 2012 mit großem Einsatz von Heiko Dörr wahrgenommen; ebenso engagierte Vorgänger in diesem Amt waren Georg Schneider und Heinz Wastl.

Auch wenn alle Tätigkeiten des Maingau-Vorstandes und der zahlreichen Helfer ehrenamtlich ausgeführt wurden, so war doch eine „Finanzverwaltung“ erforderlich, um einen ordnungsgemäßen Ablauf des Sportbetriebs im Maingau zu gewährleisten. So mussten u.a. aus den Aufwendungen für Schießstandanmietungen, Schießscheiben-, Urkunden- und Gaumeisterabzeichenkauf die Startgelder für Meisterschaften und für
die Teilnahme am Ligabetrieb kalkuliert werden und die Haushaltsansätze und -abrechnungen waren gegenüber dem Landesverband darzulegen. Bis 2014 hatte Robert Erle über zwei Jahrzehnte die verantwortungsvolle Aufgabe des Gauschatzmeisters inne, die er 1995 von seiner Vorgängerin Ilse Michel übernommen hatte. Als Nachfolger von Robert Erle fungierte zuletzt Heribert Daume als „Finanzminister“ des Maingaus.

Zur eigenen Tradition im Maingau war das seit 1983 ausgetragene Schießen der Gauvorstandsmitglieder um die Ehrenscheibe des Gauvorstandes geworden, das zusammen mit dem seit 1984 jährlich stattfindenden Gauvorstandskönigschießen durchgeführt wurde. Die künstlerisch gestalteten Ehrenscheiben, die neben dem Wappen des Maingaus jeweils ein bedeutendes Gebäude aus der Region zeigen, wurden von Beginn an von Peter Reinwein handgemalt. Die vormalige Königskette der aufgelösten Schützengesellschaft Frankfurt-Nied wurde 1984 vom damaligen  Kreisschützenmeister des Main-Taunus-Kreises, Fred Kunkel, dem Maingau gestiftet und die Insignien des Königshauses wurden später durch zwei vom langjährigen „Vogelreferenten“ Rolf Weiße gestiftete Ritterketten vervollständigt.

Mit der im Rahmen des 65. Landesschützentages am 17. April 2016 in Wald-Michelbach beschlossenen Satzungsänderung zum 1. September 2017 wurde die Reform des Hessischen Schützenverbandes und damit auch eine Neustrukturierung der Untergliederungen des Landesverbandes verabschiedet. Unter anderem in Anbetracht einer sich abzeichnenden veränderten Altersstruktur mit in den nächsten Jahren daraus resultierend voraussichtlich stagnierenden Mitgliederzahlen bei gleichzeitig steigender Anzahl an Wettbewerben werden die zuletzt 46 Schützenkreise zu größeren Einheiten – den neuen Schützenbezirken – zusammengefasst bei gleichzeitigem Wegfall der bisherigen Schützengaue als mittlere Ebene. Durch den Gesamtvorstand wurde beim 66. Hessischen Schützentag am 8. April 2017 über die neuen Organisationseinheiten abgestimmt:

Mit Wirkung vom 1. September 2017 ist das Gebiet des Hessischen Schützenverbandes in dann 27 Schützenbezirke unterteilt, die vormaligen zehn Schützengaue und 46 Schützenkreise sind mit Wirkung vom 31. Juli 2017 aufgelöst. Die ehemaligen Schützenkreise Frankfurt und Offenbach existieren als neue Schützenbezirke Frankfurt am Main und Offenbach weiterhin in ihren bisherigen Grenzen, der Schützenkreis Main-Taunus hat sich mit den Schützenkreisen Wiesbaden und Rheingau zum neuen Schützenbezirk Rhein-Main zusammengeschlossen und die vormaligen
Schützenkreise Hochtaunus und Usingen bilden gemeinsam den neuen Schützenbezirk Hochtaunus, dessen Gebiet dem des gleichnamigen politischen Kreises entspricht.

Nach 52-jährigem Bestehen von 1965 bis 2017 ist der Schützengau Maingau nunmehr Geschichte und diese „Kleine Chronik“ somit vollendet.

Die Chronik als PDF-Datei zum Herunterladen
Maingau-Chronik-2017